15.03.2019

Kurzurlaub Matroosberg (November 2018)

Wenn alles im Leben so schön problemlos läuft und man an gar nichts Schlimmes denkt, dann kann es schon passieren, dass einem von einer Sekunde zur anderen klar gemacht wird, wie schnell sich alles wenden kann.

Eine knappe Woche nach der Bootstaufe besuchen wir wie gewöhnlich das monatliche Folkmusik Konzert in Clovelly/Fish Hoek. Im Laufe des Abends bekommt Richard zunehmend Atemprobleme und beide Sprays scheinen wenig bis gar nicht zu helfen.

Als wir am Ende den Country Club verlassen und die Außentüre öffnen, trifft die Welle kühler und feuchter Luft Richard wie ein Hammer und das gesamte Bronchial- und Lungensystem blockiert. Wir schaffen es mit Mühe und Not bis zum Boot, wo der Asthmaanfall so ernst wird, dass Richard zu ersticken droht und ich den Rettungsdienst anrufe, der im allerletzten Moment mit drei Personen an Bord erscheint. Sie schaffen es, Richard nach ca. einer Stunde mit einer Adrenalin Injektion und Inhaliermaske so zu stabilisieren, dass er an Bord bleiben und am nächsten Morgen unseren Hausarzt besuchen kann, der die Medikation anpasst.

Es war mehr als knapp und ich habe mich schon alleine in Südafrika mit zwei Booten, einem Auto und einem Hund gesehen.

Danach waren wir beide fix und fertig. Richard war sehr geschwächt und ich stand eine geraume Zeit unter Schock.

Anschließend beschlossen wir, dass wir aus unserem Alltag ausbrechen und für eine Woche Tapetenwechsel benötigen.

Das Auto wurde gepackt und ein Platz auf einem privaten Campingresort in Matroosberg gebucht.

Wir wollten unsere komplette Campingausrüstung ausprobieren von neuem Dachzelt mit Sonnenschutz, neuem Kühlschrankauszugssystem  bis zu unserem Kuppelzelt und Vorzelt.

Auch Lucky war mit von der Partie und machte seine ersten Erfahrungen mit Leben in freier Natur, offenem Feuer und unbekannten Geräuschen von Tieren in der Nacht im Wald.

Wir bekamen die Erlaubnis auf einem großen Platz unter riesigen Pinien vollkommen alleine zu campen. Eine 5000 Liter fassende Wassertonne war im Inneren geschickt zu einem kleinen Badezimmer mit Dusche, Waschbecken und Toilette hergerichtet worden, an der Außenwand war eine Küchenspüle angeschlossen. Es war richtig komfortabel.

Wir genossen unsere Urlaubswoche fern von Hektik und Aufregungen. Schlafen, lesen, Brot am offenen Feuer backen.

Spielen mit Lucky, kurze Wanderungen, Besuch der benachbarten Kirschenfarm und natürlich ein 4×4 Trip zum Kamm des Matroosberg standen auf unserem Plan.

In der Nacht fielen die Temperaturen bis auf 3 Grad und es wurde empfindlich kühl. Am Tag stiegen die Temperaturen in der Sonne auf angenehme 20 Grad. Normales Wetter in einer Bergregion mit dem höchsten Berg im Westen Südafrikas, auf dem man im Winter Skifahren kann.

Unser Autoausflug zum Gipfel konnte bei trockenem Wetter stattfinden. Der Schwierigkeitsgrad v.a. im ersten Teil mit Steigung und Bodenbeschaffenheit mit Rillen, Stufen und Abrissen war nicht zu unterschätzen und ist bei nassem Untergrund geschweige Schnee oder Eis nicht empfehlenswert, sondern lebensgefährlich.

Am Gipfel bot sich uns ein hervorragendes Panorama mit Schluchten, die 1000 Meter senkrecht abfielen.

Lucky musste an der Leine bleiben, um einen Unfall auszuschließen. Wunderschöne Bergblumen und vollkommene Einsamkeit waren der Lohn für unsere Fahrt.

Fahrer und Wagen brachten Lucky und mich sicher wieder zu unserem Zeltplatz. Als wir ankamen, wurden wir von einem Scout, der als Ausbilder einer Gruppe von Jugendlichen Überlebensstrategien in freier Natur hautnah vermitteln soll, zu unserem Ausflug befragt. Wir wurden von der ganzen Gruppe bei unserem „Aufstieg“ mit dem Wagen beobachtet und niemand hat geglaubt, dass wir in der Lage sind, diese Anforderungen zu bewältigen.

Nach einer Woche alternativem, aber doch sehr angenehmem Zeltaufenthalt und der Feier unseres 42. Hochzeitstages fuhren wir beladen mit mehreren Behältern voller frischer Kirschen nach Simon’s Town zu unserem Alltagsleben zurück.

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