25.09.2017

Überraschungen und Hektik

Überraschungen und Hektik

folgten von nun ab Fuß auf Fuß.

Während unseres Urlaubes bekamen wir eine SMS von „Home Affairs“, dass unsere Einreichungen für die „Permanent Residency“ zum Abholen bereit lägen.

Wir beendeten unseren Urlaub einen Tag eher und schafften es gerade noch rechtzeitig vor 15.00 Uhr Schlusszeit dieses Amtes, unsere Papiere zu bekommen.

Richard ist nun Südafrikaner und ich bin abgelehnt worden. SPRACHLOS? Waren wir auch. Ich hatte die nächste Zeit einen Nervenzusammenbruch und wollte nur noch heim. Heim nach Deutschland zu Kindern, Enkeln und in mein Haus. Armer Richard. Für ihn war es mit Sicherheit am schlimmsten, weil er mich gar nicht mehr händeln konnte und voll beschäftigt war, alle meine Papiere vorzubereiten, die ich für einen Einspruch und eine neue Einreichung eines neuen 4 Jahres Pensioners Visa brauchte. Ich habe komplett gestreikt, habe nur noch geblockt und wollte nicht mehr.

Sven hat das Ganze das Erste Mal mit seiner Aussage zum Lachen gebracht, als er fragte: Was machst du denn jetzt, Papa? Schickst du Mama heim? Super, sie kann sofort bei mir als Sekretärin anfangen. Und- wie viele Frauen nimmst du dir dann?

Was war passiert? Home Affairs hat meinen Antrag nicht nach den am Tag der Einreichung geltenden Regularien geprüft, wo das Bruttoeinkommen maßgeblich war. Zwischenzeitlich sind die Bestimmungen noch wesentlich erschwert worden und das regelmäßige Einkommen wird netto gecheckt. Das an einem Tag, als der Rand super gut stand – und ich war knapp 100 Euro unter dem Limit.

Das ist die Strategie, wie uns von dem von uns beauftragten Unternehmen erklärt wurde und auch überhaupt kein Einzelfall: Unfaire Begutachtungen und Ablehnungen, weil sie ja keine Weißen im Land haben wollen. Viele Pensionisten sind vom jahrelangen Warten inzwischen zermürbt, krank oder haben einfach nicht mehr die finanziellen Mittel, um Einspruch einzulegen und den erneuten Antrag auf ein neues 4 Jahres Visa zu stellen. Also kommen nur noch wenige Berufungsanträge zurück, was im Sinne der Regierung ist.

Wir haben erneut mein mittlerweile auch gestiegenes Einkommen nachgewiesen sowie die Mieteinnahmen unseres Hauses dazu addiert. Und ich liege mit meinem Einkommen nun doppelt so hoch als die offiziellen Anforderungen auch für Nettobeträge ausgewiesen sind.

UND JETZT WARTEN WIR WIEDER! 6 Monate plus für den Einspruch!!!

Mein 4 Jahres Visa wurde inzwischen bis September 2021 verlängert.

Richard hat nun schon seine SA ID beantragt und seinen SA Führerschein bekommen. Das liest sich so leicht, war aber ebenfalls ein langwieriger und zeitaufwändiger Prozess mit Vorbereiten von Papierkram am Computer sowie stundenlangem Warten in der Schlange vor diversen Amtsschaltern!

Als wir vom Urlaub zurück waren, waren natürlich keine der abgesprochenen und versprochenen Arbeiten an Bord von Camaheto erledigt, was mir den letzten Dämpfer gegeben hat. So starteten wir also wieder wie vorher mit unseren seit 2 Jahren offenen Baustellen. Wir müssen versuchen, uns nicht so aufzuregen, was bei mir kaum mehr möglich ist, weil ich endlich mal ein gemütliches Zuhause haben will, das nicht von schwarzen Schuhabdrücken, silbernen Metallspänen oder Holzspänen, Sikaflexabdrücken etc. gekennzeichnet ist.

Ich versuche mich grade wieder aufzurappeln, meine Musik zu spielen und einen normalen Alltag zu leben. In der Seenotrettung sind wir beide wie gehabt involviert und ich hatte die letzten Wochen mehrere Controllerfortbildungen zu absolvieren. Inzwischen hatte ich auch schon meinen ersten Rettungseinsatz in Eigenverantwortung im Kontrollraum zu absolvieren, was von morgens bis Mitternacht gedauert hat. Aber ich habe es geschafft, konnte alle Konversationen in Englisch verstehen, aufnehmen, antworten, protokollieren, die Logbücher und Papiere bearbeiten sowie die PC Arbeit machen. Ich war echt stolz.

Anfang des Jahres hatten wir wieder heftige Feuer in und um Simon’s Town. Der gesamte Berghang brannte lichterloh bis zu den Häusern. Mehrere Familien verloren ihr gesamtes Hab und Gut. Wir hatten Angst, dass auch unsere in einer Garage direkt am oberen Rand des Hanges gestaute Campingausrüstung ein Raub der Flammen werden könnte. Wenige Meter vor dem Grundstück konnte das Feuer gestoppt werden.

Die Seenotrettung unterstützt und hilft nicht nur auf See, sondern auch bei allen anderen Fällen von Unglücken oder Naturkatastrophen. Dieses Mal nahmen sie mich mit zu einem Einsatz direkt am Feuer, um Campinghäuser zu retten. Noch nie im Leben habe ich Feuersbrünste gesehen wie diese. Das Feuer läuft den Baumstamm hinauf und die gesamte Baumkrone explodiert. Das Feuer kann meterweit springen und wird an anderer Stelle zu einem neuen Feuersturm entfacht.

Noch tagelang später hatte ich mit tränenden Augen zu kämpfen. Richard kümmerte sich in diesen Tagen nur um unser Boot. Der ablandige Wind trieb noch glühende Ascheteilchen über die Bucht auf das Boot. Noch Wochen später hatten wir mit Ascheregen zu kämpfen und unsere Camaheto war schwarz voller Ruß.

Im Herbst und Winter sollte es normalerweise heftig regnen, um die Dämme wieder zu füllen. In den letzten beiden Jahren fiel der Regen zunehmend weniger und schwächer. Anstelle der bei heftigen Regenfällen befürchteten Erdrutsche von den abgebrannten Berghängen kämpfen wir in diesem Jahr mit einem ganz besonders ernsten Problem: Wir haben in unserem Gebiet kein Wasser mehr! Die Dämme sind nahezu leer. Die letzten 10 % des schlammigen Wassers in den Dämmen können nicht mehr als Trinkwasser verwendet werden. Nach einigen Stürmen in den letzten Wochen sind die Dammlevel nun auf 24% angestiegen, das heißt, dass effektiv 14 Prozent Wasser nutzbar ist als Trinkwasser. Es herrschen hier restriktive Wasserspargesetze und –maßnahmen. Trinkwasser darf ausschließlich nur als Trinkwasser, zum Kochen, zur Körperpflege und zum Wäsche Waschen verwendet werden. Waschwasser wird gesammelt und zum Putzen, Gießen sowie zum Spülen der Toiletten etc. verwendet. In den Häusern werden die Abwasserschläuche der Waschmaschinen oder Spülbecken wenn möglich nach außen geleitet und in Wassertonnen geführt, woraus dann der Garten etwas gegossen werden kann. An Pflanzen im Boden stecken Wasserflaschen, die das Brauchwasser nur tröpfchenweise in die Erde abgeben und gezielt an die Wurzeln kommen lässt.

Nach unserem Sport duschen wir in einer Wanne stehend. Wasser wird permanent an- und abgedreht. Wasser an: Nass machen. Wasser aus: Einseifen. Wasser an: Kurzes Abduschen. Ausgiebiges Duschen ist nicht mehr möglich. Richard und ich verbrauchen pro Dusche für beide von uns gerade mal einen Eimer Wasser.

An unserem Steg gibt es nur noch an zwei Tagen in der Woche für jeweils eine Stunde Wasser zum Auffüllen des Tanks. Unsere Waschmaschine ist nun an das Tankwasser angeschlossen und wir waschen maximal eine Ladung Wäsche pro Woche.

Es wird ungefähr 3 Winter mit anhaltenden Regenfällen benötigen, bis die Dämme wieder nahezu gefüllt sind.

Der letzte große Sturm vor knapp zwei Wochen hat wieder nur wenig Wasser von oben gebracht. Und der Starkwind hat den Regen auch noch von den Dämmen weggeweht.

Dafür hat der Sturm mit Spitzen von 65 Knoten in der Marina einen immensen Schaden angerichtet. Alle Brücken zu den Stegen sind gebrochen und wir mussten mit unserem Beiboot sowie Außenborder fahren, um ans feste Ufer zu gelangen oder tagsüber die kleine Fähre benutzen.

Mit diesem Sturm hat hier auch der Winter begonnen. Die Temperatur fiel um fast 10 Grad in den Keller und die Berggipfel waren weiß überzuckert vom ersten Schnee. Dass der Pegelstand der Dämme etwas zugenommen hat, ist überwiegend auf das Schmelzen dieser dünnen Schneedecke zurückzuführen.

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